Aufbrechen und Ankommen – Tag 2

Transformation und Advent

Dezember 2, 2020

2. Tag im Adventskalender des Wandels

Noch 23 Tage … was kann man an so vielen Tagen alles über Transformation sagen? Ne, die Ideen gehen mir nicht aus. In der ersten der drei Wochen habe ich ein paar Impulse über Veränderung und Transformationsprozesse für den Kopf und unser Bewusstsein, in der zweiten Woche geht's uns ans Herz, ohne sentimental zu werden - und in der letzten Woche nehmen wir die Dinge in die Hand.

Für heute verweile ich nochmal bei dem gestrigen Titel "Aufbruch & Ankommen".
Veränderungen tauchen in vielfältiger Form auf. Da gibt es die schleichenden Veränderungen: alles scheint seinen gewohnten unveränderten Verlauf zu nehmen - wir sind im ständigen Austausch mit Menschen, die uns vertraut sind und nehmen sie wahr - und nehmen doch nicht wahr, dass wir uns verändern: da sind Altersspuren, der Körper verändert sich oder unsere Bewegungen. Es braucht erst einen Anlass, einen Stupser, um zu realisieren: hm, da ist was anders. Und dann gibt es Umbrüche, Verwerfungen, die wir ganz abrupt und sofort wahrnehmen: Ein Sturm verwüstet eine Siedlung oder einen Wald, eine Flut reißt alles mit sich und hinterlässt Verwüstung.

Und dann gibt es Veränderungen, die vereinen beide Eigenschaften - das eher schleichende, unauffällige einerseits und das überwältigende, zerstörerische Element andererseits - in sich. Ein Virus zum Beispiel, ist unsichtbar. Viele Menschen spüren nicht einmal, dass sie Viren in sich tragen - und doch kann jeder einzelne von uns zu einer exponentiellen Verbreitung beitragen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Diese Pandemie mit ihren Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch auf das gesamte organische und soziale Ecosystem wird in der Geschichte der Menschheit als die erste ihrer Art in Erinnerung bleiben, die gleichzeitig den gesamten Globus und die gesamte Bevölkerung massiv beeinträchtigt. Ich unterhalte mich mit Freunden in den USA, in UK, in Frankreich und in Schweden, in Australien, in Indien, Hong-Kong und in Bhutan, in meinem Heimatdorf im Rheinland, in Berlin, Hamburg, Stuttgart oder München - und ausnahmslos jeder ist betroffen - ich finde das immer noch unfassbar, dass es wirklich uns alle betrifft, dass hätte ich vor einem Jahr noch nicht geglaubt!

Sich der massiven Veränderungen durch die aktuelle Pandemie BEWUSST zu werden, ist nicht bei jedem gleich. Zunächst sind da die Menschen und ihre Angehörigen, die selbst erkranken, schlimmstenfalls sterben. Die Unternehmer, die mit den Lockdown-Maßnahmen zur Schließung ihres Betriebes gezwungen sind, oder die Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, spüren heftige wirtschaftliche Einbußen. Dann die Familien, die ihren Alltag komplett umkrempeln müssen, um das Miteinander mit Homeoffice, geschlossenen Schulen und Kitas irgendwie zu koordinieren usw.
Für mich persönlich ist die Veränderung oberflächlich gesehen, gar nicht so massiv. Ich arbeite seit zwei Jahren aus dem Homeoffice heraus, meine Projekt-Arbeit hat sich auch erst einmal nicht verändert - ich gehöre eher zu den Menschen, die die unerwartete Atempause, die die Pandemie unserem hektischen Alltag und auch der Natur verschafft hat, dankbar angenommen hat. Ich bin von einer WG in Hamburg in eine Hausgemeinschaft nach Baden-Württemberg umgezogen, aber nicht wegen der Pandemie - zugegeben, den Umzug und die Einrichtung der neuen Wohnung war durch die Reisebeschränkungen erheblich eingeschränkt. Ich spüre die Auswirkung der Pandemie jedoch auch ganz massiv in meinen Beziehungen: Ich bin von meinen Geschwistern getrennt, unser alljährliches Familientreffen musste ausfallen, - und vor allem: ich führe eine Fernbeziehung und mein Partner und ich haben uns Anfang März in Bhutan das letzte Mal persönlich gesehen. Noch lässt sich nur sehr schwer absehen, wann wir wieder zusammenkommen.

Worauf ich aber hinaus will: die Veränderung wird von jedem von uns ganz unterschiedlich wahrgenommen. Uns ALLE vereint aber eines in dieser Pandemie: unser Gefühl für das Leben hat sich verändert - ja, es ist ein anderes Lebensgefühl: Liebe, Nähe, Leichtigkeit, Verbundenheit, Bewegung, Freiheit, Sicherheit, Stabilität, lernen, draußen sein, reisen, neue Menschen kennenlernen, sich in der Arbeit engagieren und wirksam zu sein - die Erfüllung all' dieser menschlichen Bedürfnisse ist mit der Pandemie erschwert.

Sich bewusst zu werden, welche Bedürfnisse für mein persönliches Wohlergehen wichtig sind - ist immer der erste entscheidende Schritt, Veränderung selbst mit zu gestalten. Wenn ich darauf beharre, dass alles so bleibt, wie es ist, oder wieder so wird, wie es war - dann ignoriere ich meine wirklichen Bedürfnisse, ich gehe einfach weg oder verharre auf der Stelle. Wenn ich mich mir aber bewusst mache, welche Veränderung da gerade vor sich geht, wie das meine persönlichen Bedürfnisse beeinträchtigt oder vielleicht sogar bereichert - dann breche ich auf, mit der Intention, mein Lebensgefühl neu zu entfalten. Das "Ankommen", das beginnt dann schon mit dem ersten Schritt, sich selbst bewusst zu machen, was ich jetzt brauche. Aufbrechen ist ein Akt mit vollem Bewusstsein und dem Antrieb, anzukommen. Das Ankommen geschieht nicht in einem Moment, das ist ein Prozess - auf diesem Blog ein Prozess gestreckt auf 23 Tage … kommt' Ihr mit?

Welches Lebensgefühl fehlt Dir gerade am meisten?