Vertrauen vs. Kontrolle – Tag 7

Transformation und Advent

Dezember 7, 2020

Tag 7

An dieser Website arbeiten wir seit August oder September. Alles basierte auf einem Design, das mein Bekannter und ich schon vor 4 Jahren aufgesetzt hatten, damals unter www.christianeschicker.de.

Anfang November war die Seite so gut wie fertig - ich war ganz zufrieden … aber … die Resonanz war nicht wie erwartet. Außerdem fielen mir immer wieder bugs auf. Eines Tages gab sich mein IT-Spezialist aus Hamburg einen Ruck und meinte: seit 2016 hat sich soviel getan, wie man Nutzer auf Webseiten gewinnen und halten kann. Ich habe da eine Idee - gibst Du mir ein paar Tage? Ich wollte eigentlich mit der Akquise loslegen und schon viel weiter sein.

Aber da war was in seiner Stimme, das sagte mir - der hat Mut und er will was richtig Gutes hervorbringen. Ich entschied mich, ihm zu vertrauen.

Wenige Tage später war das neue, viel intuitivere, frischere, leichtere Design zu erkennen. Es gab keinen Grund, jeden Arbeitsschritt von ihm zu kontrollieren.

Kontrolle - das klingt nach dem inneren Kritiker, den ich im gestrigen Beitrag erwähnte: Es muss alles "richtig" sein, sonst ist es "falsch". Das engt so unglaublich ein: Indem ich vertraue, kann ich überrascht werden für das "andere", das "Neue".

In Vertrauen steckt Potenzial, dass etwas entstehen und wachsen kann. Kontrolle hingegen erinnert an vorgefertigte Schablonen oder Stereotypen - alles, was mit den Kriterien zur Kontrolle nicht übereinstimmt, wird als Abfall bewertet. Kontrolle ist binär, Vertrauen ist mehrdimensional.

Vertrauen beinhaltet immer auch die Verletzlichkeit, dass es schief gehen kann. Damit steckt in Vertrauen auch Verantwortung - die Verantwortung für die Konsequenzen. Diese Verantwortung trägt in einer Beziehung nie nur einer, sondern die Verantwortung ist etwas, was man sich teilt: Hätte mir das neue Design nicht gefallen, hätte ich die Verantwortung gehabt, das ganz klar mitzuteilen - ohne dem anderen dafür die "Schuld" zu geben oder ihm einen Fehler zu unterstellen. Verantwortung übernehmen heißt, dass man gemeinsam überlegt, was die Konsequenz aus dem Fehler bzw. der Niederlage ist, und was man "anders" machen kann, damit das Ergebnis besser wird. Allerdings mache ich zumeist die Erfahrung - ob in privaten Beziehungen oder im beruflichen Umfeld - dass mein Vertrauen selten enttäuscht wird. Es überwiegt vielmehr die Überraschung über ein Ergebnis, das ganz "anders" ist, als ich es erwartet hatte - ein Ergebnis, das nie zustande gekommen wäre, wenn ich die Ausführung ständig kontrolliert hätte.

Auch diese Website ist eine angegehme Überraschung für mich geworden - es macht richtig Spaß, damit jetzt "auf den Marktplatz" zu gehen!