Kein Grund, sich auszuruhen – Tag 20

Transformation und Advent

Dezember 20, 2020

Tag 3

So, nun ist er da, der 4. Advent. Die 4. Kerze ist angezündet, mit dem Hausputz vor Heilig Abend sind wir so gut wie durch. Und der Lockdown macht es uns auch noch einfacher, zu Hause zu bleiben.

Also heute Binge-Watching auf Netflix, prime, TV+? Gestern ging es doch um den "Flow" von Heraklit: "Alles fließt" - ist doch alles easy, oder?

Einen Tag vor der Windersonnenwende, in der dunkelsten Zeit des Jahres ist doch nichts wichtiger, als ein wenig Leichtigkeit in den Alltag zu bringen.

Ja, aber nicht auf der Coach vor dem Fernseher, Tablet- oder Laptop Bildschirm (wie ich gerade, wo ich diesen Blogeintrag schreibe).

Ach nee, jetzt bitte nicht wieder die Leier von der Komfortzone! Die ist ziemlich ausgeleiert. Doch, Entschuldigung, genau darum geht es!

Wann habe ich das Gefühl, im "Flow" zu sein? Bei mir persönlich kommt das tatsächlich im Kontakt mit Wasser: viele gute Ideen kommen mir unter der Dusche oder beim Schwimmen. Aber auch beim Autofahren, im Zug oder im Flugzeug kommen mir gute Gedanken und Ideen. Und … beim Wandern. Was haben all' diese Beispiele gemeinsam: Meine Sinne sind in Bewegung. Und ich bin in Aktion. Ich lasse mich nicht berieseln, bin nicht passiv, sondern mit jeder Bewegung, mit jedem selbst entwickelten Gedanken schreite ich voran. Ich bin dann das Subjekt, nicht das Objekt. Ich bin in meinem Selbstbewusstsein, und mit jedem Gedanken, mit jedem Schritt treffe ich eine Entscheidung, handle ich für mich selbst, in meiner eigenen Verantwortung. Und ja, wenn es auch noch so ausgeleiert klingen mag, aber dann bin ich nicht in meiner Komfortzone, sondern in der Zone, in der ich mich mit neuen Erfahrungen, Gedanken, Ideen weiter entwickle. So, wie im Sport.

Im Flow zu sein, ist genau das Gegenteil von: Alles ist easy!

Heraklit's Feststellung "Alles fließt" bezieht sich vielmehr auf das Phänomen des Lebens als Prozess. Ich kann in diesem Leben auf der Coach liegen, und es an mir vorbei ziehen lassen. Das Leben passiert trotzdem, es ist permanent im Werden. Wenn ich es mit all' seinen Widersprüchen, Meinungen, Gefühlen und Ängsten ständig seziere und bewerte, dann gehe ich zu Grunde, dann brenne ich aus: ich bin ein Objekt, das die Macht über sein Leben der Bewertung und dem Handeln anderer überlässt. Wenn ich mich auf das Sofa setze und es passiv an mir vorbei ziehen lasse - bin ich leblos, ich gehe ein, wie eine Blume, die vorzeitig verwelkt, weil sie nicht genügend Wasser bekommt. Und wieder bin ich nur ein Objekt.

Wenn ich hingegen vom Sofa aufstehe und mich bewege, dann entsteht Energie. Die Energie zeigt sich mal mehr, mal weniger - ich verspüre Muskelschmerzen, ich komme vielleicht auch in Atemnot. Wenn es regnet, werde ich nass und wenn ich die falschen Klamotten anhabe, friere ich. Aber bei diesen Gefühlen mit all' meinen Sinnen spüre ich: ich lebe! Das ist das schöne Gefühl, im flow zu sein: seine Energien zu spüren. Und Energie ist nicht nur fun oder der nächste Kick. Es ist das pralle Leben, in all' seiner Vielschichtigkeit von Glück und Schmerz, Freude und Trauer, Mut und Angst, Hingabe und Leid.

Und zu meinem prallen Leben gehört auch - nach meiner Wanderung -, Serien auf der Couch zu schauen - zur Zeit sehe ich eine französische Serie in Originalfassung - und frische dabei nebenher noch meine eingerosteten Französischkenntnisse auf. Ne, Komfortzone ist nichts für mich …